Petra von Alvensleben


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Geheimnisse

Wie Familiengeheimnisse wirken

Die Menschen, die mit ihrem Anliegen in eine Aufstellung kommen, wollen in der Regel
Klärung für ihre Probleme.
Sie suchen Auswege aus belastenden Situationen in Familie und Beruf, wünschen sich
Heilung bei Krankheit.

Sie bringen zunächst einmal eine gewisse Offenheit mit, die natürlich auch
mit Zurückhaltung und Angst gepaart ist, denn sie wissen ja nicht, was
sie bei ihrer Aufstellung wirklich erwartet.

Häufig kann eine Aufstellung dann eine Blockade lösen und einen wichtigen Schritt
in Richtung Heilung und Befreiung ermöglichen.

Im Laufe meiner Arbeit als Aufstellerin begegnen mir jedoch immer wieder Fälle, in denen Klienten
verzweifelt versuchen, einen Teufelskreis zu durchbrechen, es aber nie wirklich schaffen.

Neben den eigenen Traumatisierungen der Klienten, die eine gesonderte Hinwendung benötigen,
beobachte ich den starken Einfluss von Familiengeheimnissen.

Sie wirken fast wie Flüche oder wie ein Bannspruch.
Sie lähmen das Vorankommen und irritieren die eigene Wahrnehmung.

Häufig wird in diesen Familien auch über nachfolgende Generationen hinweg Stillschweigen bewahrt.
Das kann sich beziehen auf die Mitwirkung der Großväter im Nazi-Regime, das können getötete Kinder
sein, Inzest etc. In der Regel handelt es sich um Täter-Opfer-Beziehungen, die verleugnet werden.

Wie stark diese Familiengeheimnisse wirken, ist mir besonders deutlich geworden, als wir in
einer Aufstellung diesem "Verbot" eine Stimme gegeben haben.

Es kamen drohende Sätze wie:
"Du wirst doch wohl nichts sagen!!!"
"Das bildest Du Dir ein. Du bist wirr im Kopf!"
Es wurde behauptet, nichts zu sehen, obwohl auf der Erde Stellvertreter lagen,
die die Opfer repräsentierten.
Und tatsächlich beginnen dann einige, an dem zu zweifeln, was sie da sehen.

Diese Behauptungen, diese Energien sind so stark, dass jemand, der zu dieser
Familie gehört, kaum den Weg dort hinaus schafft.
Wenn die Person, von der man als Kind abhängig ist, behauptet, der Rasen ist rot, dann wird
man das irgendwann selbst glauben, obwohl das eigene Auge dir sagt, er sei grün.

Unterstützung bringt die Zeugenschaft im Seminar. Die anderen Teilnehmer
sehen "es" ja auch und bestätigen dem Klienten: "Du kannst Deiner Wahrnehmung trauen."
Dennoch zieht "das Geheimnis, das Verbot" immer und immer stärker an dem Klienten.
Es bedarf eines starken Willens seitens des Klienten, sich zu lösen:
Er muss SEIN Leben leben wollen, auch wenn das bedeutet, dass er den anderen Familienmitgliedern
dadurch in den Rücken fällt und sie sich von ihm abwenden.
Er muss bereit sein, sich von seinem Familiensystem zu lösen und die Hoffnung aufgeben,
dass er die Liebe von Mutter und/ oder Vater doch noch erreicht.
Er muss die Hoffnung aufgeben, Mutter und/ oder Vater aus deren Not befreien zu können.

Er muss ein Tabu brechen - er muss ein Verbot überschreiten.

Da wir auch häufig als Erwachsene uns noch abhängig von den Eltern fühlen wie kleine Kinder,
ist es auch diese existenzielle Angst, die verhindert, dass wir uns lösen.
Die Gruppe - die Familie sichert unser Überleben.

Ziel ist es daher, Ressourcen aufzubauen, um den Klienten zu stärken, damit er eines Tages bereit ist,
das Geheimnis beim Namen zu nennen, sich davon zu distanzieren und seinen eigenen Weg zu gehen.

Paradoxer Weise kann man gerade durch Aufstellungen (aber natürlich auch durch andere Therapien),
diese Geheimnisse immer wieder verdecken. Man findet zielsicher den Therapeuten oder Heiler, der
genau dort NICHT hinsieht, wo das eigentliche Thema liegt.
Ich behaupte sogar, dass es ein gesamtgesellschaftliches Interesse gibt, das verhindert, dass die Dinge
ans Licht kommen.
Die Traumatisierungen aus den vergangen Kriegen haben Überlebensmechanismen auf den Plan gerufen,
die vormachen wollen, alles sei in Ordnung. So haben sich die Generationen vor uns geschützt vor dem
Schmerz, dem Leid, der Scham. Das ist auch sehr verständlich angesichts des Greuls.

Heilung geschieht jedoch dort, wo die Dinge gesehen und benannt, betrauert und verabschiedet werden können.

Deshalb bedarf es eines besonderen Mutes, seiner Wahrnehmung zu trauen und dieser Ausdruck zu verleihen.

Ich denke, die Zeit ist reif dafür.
Die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche, die ans Licht kommen, die wachsene Bereitschaft der Kriegs-
generation, über die Dinge zu reden, lassen hoffen, dass eine lösende Bewegung in der gesamten Bervölkerung
eintritt, an der jeder von uns teilhaben wird....

Es gibt eine Stimme in dir, der du vertrauen kannst. Finde sie, und sie wird dir helfen zu werden, der du bist.


"Religion is belief
in someone else`s experience.
Spirituality is having
your own experience."
Depark Chopra

Religion bedeutet,
an die Erfahrungen anderer
zu glauben.
Spiritualität bedeutet,
seine eigenen
Erfahrungen zu machen.


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